Warteschleife: Tulpenmord

Warteschleife: Tulpenmord

Mein erster Krimi „Tulpenmord“ befindet sich noch in der Warteschleife. Hier mal wieder ein kleiner Auszug!

Er betrachtete Wolters, einen Mann Ende 70, der mit zerfurchtem Gesicht und dunkelbraunen Augen, die ihn ruhig musterten, vor ihm stand. Er wirkte keineswegs erschüttert nach dem Leichenfund heute früh. Die Rettungssanitäter, die Anna vorsorglich informiert hatte und die nun Kaffeetrinkend auf dem Parkplatz bei ihrem Wagen standen, hatten bei Wolters keinerlei Anzeichen eines Schocks oder gar irgendeiner Form von nervlicher Anspannung finden können.

Er lächelte geduldig. „Wie haben Sie den Toten gefunden?“

„Ich dachte doch zuerst, es sei ein großer Haufen Seetang.“

„Verständlich“, murmelte Anna und verdrehte leicht die Augen. Hendrik warf ihr einen mahnenden Blick zu. Sie zuckte mit den Schultern.

„Und dann?“

„Dann bin ich näher ran.“

„Und Sie haben gesehen, dass es sich um einen Menschen handelt?“

„Nicht so schnell. Ich dachte als nächstes, es wäre ein großer Müllsack.“

„Wegen der Form?“

„Nee, weil’s noch neblig war.“

„Ach so. Wann wussten Sie denn, um was es sich handelt?“

Wolters kratzte sich wieder nachdenklich am nur mit einigen spärlichen weißen Haarbüscheln bedeckten Kopf.

„Ich dachte, es wäre vielleicht ein altes Fischernetz mit so Resten dran.“

„Und wann wussten Sie, um was es sich handelt?“ fragte Hendrik noch einmal.

„Als ich dann fast über ihn gestolpert bin. Hätte mir beinahe etwas gebrochen.“ Das erste Mal nahm Hendrik eine Gefühlsregung wahr. Anscheinend war Wolters darüber entrüstet, dass dieser Tote ihm während seines Spaziergangs im Weg herumlag.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *